Zukunftslösungen gefragt Es ist nicht Sache des Autors hier Lösungen für ein Problem zu entwickeln, das von allen im Markt Beteiligten über Jahrzehnte hin mit jeweils deutlicher Interessenswahrnehmung produziert wurde. Dennoch gibt es natürlich Lösungen. Sogar eine ganz einfache, nämlich auf die Angabe von Farbtönungen in Katalogen zu verzichten und stattdessen nur die Grundfarben anzugeben, vielleicht ergänzt um den Hinweis „(Tönungen"). Da diese aber bei jeder älteren Marke, selbst auch bei zahlreichen neueren, wie einen die derzeitige Dauerserie „Blumen" lehrt, vorkommen, kann man darauf auch verzichten. Resultat eines solchen „Kahlschlages" wäre eine Vermögensvernichtung riesigen Ausmaßes, allerdings auch dünnere und damit wieder preiswertere Kataloge. Denkbar? Machbar? Wünschenswert? Realer erscheinen da Ansätze einer Katalogisierung, die nur die Markentönungen aufnimmt, die von Druckereien und/oder Postverwaltungen Ankündigung oder nachträgliche Bestätigung gefunden haben. Dieser Ansatz käme dann aber fast zum gleichen Resultat wie der Rundumschlag zuvor, denn die Mehrzahl wurde eben nicht angekündigt oder bestätigt. Pragmatischer wäre der Versuch, den Dschungel zu entrümpeln, die Vielfalt zu reduzieren auf die wesentlichen, sprich also quantitativ häufig belegbaren Farbtönungen, deren Vorkommen ja auch für tatsächlich vorgekommene Teilauflagen spricht. Alles andere könnte speziellen Handbüchern vorbehalten bleiben, was auch Dr. Hans-Karl Penning in seinem Votum als Lösungsmöglichkeit dieses Problems für die Zukunft empfiehlt. Dies würde auch bei modernen Marken dem Trend Rechnung tragen, dass die Vielfalt der Farbtönungen aus drucktechnischer Sicht als im Bereich der Toleranz definiert wird. Nur: ist „die" Philatelie so tolerant? Nun sind die Verbände und der Markt zur Meinungsbildung gefragt und der Prüferbund hat schon angekündigt, konkrete Vorschläge zur nächsten Jahrestagung 2007 vorzulegen. Denn mit dem Farben- und Tönungsproblem hat die Philatelie ihre Unschuld verloren, wenn sie diese überhaupt je besessen hat.
Dr. Hans-Karl Pennung zu einer Lösung für die Zukunft aus seiner Sicht Wie kann eine Lösung des Farbproblems aussehen? Man könnte festlegen, dass für ein Gebiet nur jeweils ein Farb- bestimmer benannt wird. Das hatten wir früher schon einmal, und das wurde auch deswegen abgeschafft, weil ein solcher Bestimmter bei manchen Gebieten wahrscheinlich Bearbeitungszeiten von drei oder mehr Jahren benötigen würde. Ich sehe derzeit nur folgende Lösungsmöglichkeit: - Einebnung der Preisunterschiede für die verschiedenen Farben in den Katalogen. - Reduzierung der immer weiter fortgeschrittenen Differenzierung bei der Farbbestimmung. Dies ist meiner Meinung nach schon aus Haftungsgründen unumgänglich. - Verlagerung der superdifferenzierten Farbbestimmung auf die Arbeitsgemeinschaften, die dies ja zum Teil schon tun.
| Dr. Hans-Karl Penning, Vorsitzender des Prüferbundes, zum Thema Farben Das Thema Farben beschäftigte den BPP im Laufe des letzten Jahres fast bis zum Überdruss. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse kann man kurz zusammenfassen: a) Farben sind genauso gefährdet wie alte Denkmäler! Sie verändern sich durch - Lichteinwirkung - natürliche Alterung - Wasser (wie oft und wie lange war eine Marke drin) - Papierveränderung - Lagerbedingungen (z.B. Folienproblem) usw. b) Wir prüfen keine Farben, wir bestimmen sie. Wenn Sie jetzt bedenken, wodurch sich Farben ändern können, wie weit sollte man dann bei der Bestimmung in die Tiefe gehen? Die unmöglichen Bedingungen bei Briefmarkenausstellungen, die aber die Herren Funktionäre und leider auch viele Sammler nicht sehen wollen, werden bei diesem Material, wenn dieser Irrsinn so weiter geht, eine Farbbestimmung sowieso überflüssig machen. Ich habe zum Ausstellungswesen beim Consilium Philatelicum ganz klare Vorschläge gemacht, die aber bei Leuten, die den Besitz eines PC als Vision bezeichnen, kaum auf Resonanz stoßen dürften. c) Farbe existiert nur bei Licht. Bei welchem Licht sind in der Vergangenheit die Farben, die meist noch heute in den Katalogen verzeichnet sind, bestimmt worden? d) Es gibt technische Mittel, bisherige Farbbestimmungen zu überprüfen. Das kann in einer Reihe von Fällen zu völlig anderen Ergebnissen führen. Wie geht man dann damit um? e) Wo setzen wir die Grenzen bei der Differenzierung der Farben? Abschreckendes Beispiel ist für mich Mi.-Nr. 934 Alliierter Kontrollrat auf S. 91 im Band 2 des neuesten Michel Deutschland-Spezial-Katalog. Da gibt es mittlerweile nicht nur sechs Farben, sondern in Klammern dahintergesetzt ist noch verzeichnet, wie die Farben unter UV-Licht aussehen. Dabei fehlt bloß noch die Angabe der Wellenlänge des UV-Lichts. f) Auch zwei als völlig normalsichtig geltende Menschen sehen Farben im sog. Grenzbereich unterschiedlich. Das ist solange nicht sehr bedenklich, als die Preisunterschiede in den Katalogen hierfür nicht sehr unterschiedlich sind. Abschreckendes Beispiel ist für mich z.B. DR Mi.-Nr. 112a und 112b. Während erstere gestempelt mit 4,00 Euro bewertet ist, ist letztere mit 12.000 Euro verzeichnet. |
| Wolfgang Maassen Fotos: W. van Loo. Philatelie und Postgeschichte 270 / philatelie 349 / Juli 2006
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